Heute kümmern wir uns das erste Mal um unseren Unterricht. Um 10 Uhr treffen wir bei Jeremy, einem amerikanischen Auswanderer, der ein Djembéhotel betreibt, Karim, einen Berufstrommler, der sich speziell mit Jina-Rhythmen, die bei Trancekulten gespielt werden, auskennt. Leider wird aus dem Unterricht nichts, da er heute zwei Jobs in einem Randbezirk von Bamako spielt  – die Gelegenheit für mich gleich mal auf das erste Jina-Fest und eine Hochzeit an einem Tag zu gehen. Die Fahrt mit dem Taxi durch die Stadt ist eindrucksvoll und staubig, der Verkehr chaotisch, aber fließend und die Leute am Straßenrand geschäftig. Asphalt wird zu Sandpiste wird zu einem felsigen Anstieg. Wir sind da.

Das Fest hat noch nicht begonnen, aber die letzten Vorbereitungen laufen gerade auf Hochtouren, und die Dorfbewohner haben sich schon versammelt. Wir werden freundlich empfangen und erhalten vom Ältesten auch gleich die Erlaubnis zu fotografieren (nebenbei wird in diesem Zusammenhang dezent auf die Möglichkeit einer kleinen Spende hingewiesen). Anfangs sind die Einheimischen etwas zurückhaltend, aber schnell bin ich mittendrin, sitze an einer Trommel und lerne so meine ersten Lektionen. Für mich ist das Fest die Attraktion und für die Dorfbewohner sind es wir. Nachdem ich die Kinder einmal fotografiert habe hängen sie wie eine Traube an mir und können gar nicht genug Fotos von sich ansehen, um sich darüber kaputt zu lachen. Der menschliche Höhepunkt für mich ist allerdings, als mich eine Mutter bittet ihr kleines Baby eine Weile auf dem Arm zu halten – ich bin sprachlos und gerührt.

Das kulinarische Highlight folgt sogleich: es gibt die frischgeschlachtete Ziege, die ähnlich wie Gulasch zubereitet wurde, in einer großen Schüssel zusammen mit Kuskus. Zu Mehreren um die Schüssel sitzend, genießen unser Mahl mit den Händen. Ein perfekter Abschluss!

Auf dem Rückweg schauen wir noch kurz bei der Hochzeit vorbei, aber langsam sehnen wir uns nach etwas Ruhe und fahren erst mit einem Linienbus 15 Minuten bis zur nächsten Asphaltstraße. Das bedeutet sich in einem Minibus ohne Seitentür mit zehn anderen Mitfahrern auf Sitzgelegenheiten, die zwei rechts und links an die Wand geschraubten Bierbänken ähneln, durchschütteln zu lassen. Die Kunst ist hierbei ohne Bandscheibenvorfall und Prellungen anzukommen. Es gelingt. Am Hotel beschließen wir uns zum Abschluss des Tages noch einen Kaffee und ein Omelette in einem für unsere Verhältnisse, sagen wir, spartanischen Straßencafés zu gönnen. Eine wohlige Schwere macht sich in uns breit und wir freuen uns auf unser Bett, denn morgen geht es um 9 Uhr wieder los zu Karim, der uns dann endlich mehr über Jina-Rhythmen verrät.

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