Eine wieder etwas unruhige Nacht ist geschafft, es kommt mir vor wie ein mathematischer Vorzeichenfehler: je mehr Moskitos meiner nächtlichen Jagd zum Opfer fallen, desto mehr schwirren danach durch die Dunkelheit. Wie sich später herausstellen wird, hat sich die Mühe gelohnt und die nächste Nacht verspricht eine geruh- und erholsame zu werden.
Es ist 10:20 Uhr und Karim unser Trommler für Djinakulte kommt uns im Hotel besuchen. Es ist ein sehr herzliches Wiedersehen. Wir haben vor vier Jahren schon sehr viel Zeit mit ihm verbracht und obwohl die Djinakulte nicht öffentlich sind – viele Hauptstädter haben noch nie was davon gehört – erzählt uns Karim ganz offen alles, was wir wissen wollen, nimmt uns zu den Festen mit und lässt uns natürlich auch trommeln. Durch ihn können wir unseren Terminplan für die nächsten drei Tage komplettieren.

Sonntag, 9:00 Uhr Hochzeit trommeln mit Dra
Montag, 9:00 Uhr Unterricht bei Karim
Montag, 14:00 Uhr Djinafest trommeln mit Karim
Dienstag, 9:00 Uhr Unterricht bei Madu

Wir sind sehr optimistisch, dass sich der Rest der drei Wochenvon Termin zu Termin von alleine ergeben wird. Um 11:00 Uhr besucht uns noch Johann, ein Belgier, der in Bamako lebt und Instrumente verkauft.
Da ich immer noch sehr angeschlagen bin, lege ich mich nochmal ein paar Stunden aufs Ohr und wache pünktlich zum 16-Uhr-Kaffee mit Herman wieder auf, genieße diesen mit ihm bei einem wie immer sehr guten Gespräch und arbeite bis zum Abendessen am Laptop.
Heute wollen wir ein anderes „Restaurant“, das uns schon gestern auffiel, ausprobieren. Nicht fern von unserem Hotel steht nämlich direkt an einer vielbefahrenen Straße eine Frau mit einem Kohlegrill und vielen vollen aber verdeckten Essensschalen. Witzigerweise verrät sie uns nicht, was sie anzubieten hat, deckt auch nicht ihre Schüsseln auf, sondern lässt uns alles einzeln erfragen. Also fragen wir sie, ob sie Spaghetti hat: ja, Reis: nein, Fleisch: nein, Fleischspieße aber doch, Zwiebeln und Tomaten: ja. Sehr gut, noch ein bisschen scharf und wir sind beim bisher günstigsten Essen angelangt. Zum Vergleich: im Hotel zahlen wir für ein Essen mindestens 9 Euro, hier nur 60 Cent. Im Hotel müssten wir an einem fein gedeckten Tisch in angenehmer Loungeatmosphäre mit Dinnerjazz als Hintergrundmusik speisen. Hier dürfen wir auf einer kleinen Holzbank, im Halbdunkel, zwei Meter vom rauschenden Verkehr entfernt, inmitten von Einheimischen im Lärm und Staub der Stadt unser Abendessen genießen – viel besser, das ist Bamako, wie wir es lieben!

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