Die Reise beginnt um 9 Uhr morgens bei -10°C mit dem Zug in Frankenthal. Nachdem der Flug mit Airfrance von Frankfurt nach Paris auch nach dem zweiten Anlauf wieder streikbedingt storniert wird, fliege ich die erste Etappe mit Lufthansa. Leider verträgt sich dieses Wechselspiel nicht mit der vollautomatisierten Gepäcksteuerung in Paris, aber nach einer halben Stunde und dank einer engagierten Flughafenangestellten, ist es dann doch noch möglich das Gepäck zum richtigen Flugzeug zu lotsen. Elf Stunden nach Reiseantritt komme ich tatsächlich inklusive Rucksack bei angenehmen 20°C am International Airport in Bamako an. Auch im Dunkel der Nacht kann der „International“ Airport nicht darüber hinweg täuschen, dass er samt Rollfeld ungefähr so groß ist wie in Frankfurt das Parkhaus von Terminal 1. Nach einer kurzen Kontrolle durch kaugummikauende Zollbeamte und einer gefühlten Stunde an der sich im gleichen Raum befindlichen Gepäckausgabe, werde ich von Herman schon am Ausgang erwartet. Er hat schon ein Taxi für uns reserviert und nach zehn Minuten taucht auch der Fahre wieder auf. Mein intuitiver Griff nach dem Sicherheitsgurt geht ins Leere. Vor einigen Jahren soll versucht worden sein die Gurtpflicht einzuführen – bei dem kläglich gescheiterten Versuch blieb es dann auch. Mit laut quietschendem Keilriemen, der in Linkskurven verstummt, bohren wir uns immer tiefer in das staubige Innere der Stadt, bis wir an einem unscheinbaren Hotel mit kleinem Garten, Veranda und fünf Zimmern Halt machen. Mich erwartet ein für Mali relativ komfortables Doppelzimmer mit einem Schrank, dessen eine Tür dank des schiefen Bodens in Kombination mit defektem Schloss immer offen steht und einem Bad, das immerhin eine funktionierende Tür besitzt; zwar auch ohne Schloss, aber doch ihren Zweck erfüllend.

Kurz abgeladen beschließen wir um 23:45 Uhr noch einen Kaffee trinken zu gehen. Auch wenn die meisten „Cafés“ schon geschlossen sind, finden wir doch noch ein idyllisches Plätzchen mit Straßenblick. Es gibt frisch angerührten Nescafé mit einer Art Milchsirup in demonstrativ gründlich gespülten Tassen und dazu feinstes Baguette. Zwei Meter weiter suchen ein paar Ratten auch nach ihrem Abendessen. Hier gefällt es mir, die Zeit steht still, willkommen Mali.

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