Mali 2017

Am 7. Februar 2017 machen wir uns zum zweiten Mal gemeinsam auf die Reise nach Mali, um mehr über die Musik und die Trancekulte in der Hauptstadt Bamako zu erfahren. In Anbetracht dessen, dass unser „Highspeed Wifi“ im Hotel die Bytes einzeln abzufertigen scheint, ist es wohl etwas optimistisch, einen regelmäßigen Blog mit vielen Bildern schreiben zu wollen, also werde ich mich dem hiesigen Datenfluss etwas anpassen und vielleicht hier nicht jeden Tag von unserer Reise berichten.

7. Februar

20:30 Ankunft bei Dunkelheit am Flughafen in Bamako. Seit unserem letzten Besuch 2012 wurde ein komplett neues Flughafengebäude errichtet, dass deutlich größer ist als das alte und sogar über zwei Gates mit Flugastbrücken verfügt – trotzdem docken wir dort nicht an und werden die 100m mit dem Bus zum Terminal gebracht.  Schon am Gepäckförderband steigt mir der vertraute Duft von Caritébutter in die Nase, mit der sich wohl ein Mann neben mir zur Pflege eingerieben hat. Ich nehme meinen sauberen Koffer vom Band, lasse ihn zum Durchleuchten durch eine Maschine laufen und bekomme ihn mit den ersten roten Staubspuren wieder zurück. Roter Staub ist in Bamako einfach überall, auf den Straßen, in der Luft, in den Häusern und jetzt, wo ich so vor mich hin tippe, spüre ich wie er sich auch langsam in meine Laptoptastatur frisst. Auf dem Parkplatz besteigen wir ein Taxi, das wie ein alter Traktor klingt, die Frontscheibe ist gerissen, der Tacho läuft schon lange nicht mehr und die hintere rechte Scheibe klappert manchmal so laut, dass ich kaum verstehen kann, was Herman mit dem Taxifahrer erzählt. Es riecht nach Staub und Abgasen… Bamako

Auf der anderen Seite des Nigers erreichen wir in einer Seitenstraße unser unglaublich nobles Hotel mit zwei Wächtern, einem Pool, den wir wohl nie besteigen werden, fünf Zimmern und einem Restaurant auf dem Dach, also im ersten Stock. Da Herman noch Grippe hat und ich gerade krank werde genehmigen wir uns unser erstes Abendessen im Hotel. Ich lehne mich zurück und bin froh angekommen zu sein. Mit Thai Curry auf dem Teller und Buena Vista Social Club im Hintergrund geht der erste Tag in Bamako zu Ende…

8. Februar

Wir sind beide noch angeschlagen, laufen nur eine Runde um den Block und pendeln ansonsten zwischen Essen und Bett hin und her. Heute lasse ich einfach ein paar Bilder sprechen…

9. Februar

10. Februar

Nach einer unruhigen Nacht, in der mich die in unserem Schlafzimmer eingesperrten Moskitos unaufhörlich quälten, werde ich um 5:52 Uhr vom Wettstreit der Muezzine geweckt. Die örtlichen Hähne haben sich auch schon zu ihnen gesellt. Ein wenig Schlaf würde mich schon noch gut tun… also mache ich mich im Schein meiner Handylampe daran, die Moskitopopulation etwas zu dezimieren, ohne dabei Herman zu wecken. Einige gewesene Moskitos später lasse ich mich müde ins Bett sinken, um mich noch weitere zwei Stunden im Halbschlaf von ihnen piesacken zu lassen.
Heute besuchen wir unseren Freund Dra und sind gespannt, ob noch alles beim alten ist. Das Taxi setzt uns in seinem Viertel ab und wir gehen die letzten Meter noch zu Fuß. Vor Dras Haus empfängt uns schon sein Freund, Nachbar und Mitmusiker Lamin und ist hocherfreut über den überraschenden Besuch aus Alemagne. Er führt uns in den Innenhof, wo wir auch Dra wohlauf wiedertreffen. Hier scheint sich nicht viel verändert zu haben. Lamin erzählt uns, dass sie heute und am Sonntag bei einer Hochzeit trommeln und wir haben unseren ersten Termin: Hochzeitstrommel am Sonntag ab 9:00 Uhr. Wunderbar! Obwohl wir gerade üppig gefrühstückt haben, nehmen wir aus Höflichkeit noch am Essen teil – wie immer „african style“ mit der gewaschenen rechten Hand aus einer gemeinsamen Schüssel.
Unser nächster Besuch gilt Madu, der nur 10 Minuten zu Fuß entfernt wohnt. Er ist deutlich gesprächiger als unser mit Worten sehr sparsamer Dra, und auch hier werden wir zum Essen eingeladen, zu dem wir wieder höflicher Weise nicht nein sagen. Bei Madu wollen wir mehr über den Komokult und den Rhythmus Komo selbst lernen – erste Unterrichtsstunde: Dienstag 9:00 Uhr. Da Madu ein super Netzwerker ist, kann er uns den verlorenen Kontakt von unserem Lehrer Karim geben, ein Trommelexperte für Djina-Trancekulte unser zweiter Schwerpunkt für diese Reise. Jetzt fehlt uns nur noch eine malische SIM-Karte zum Telefonieren – diese hat Madus Sohn übrig und leiht sie uns für die Dauer unseres Aufenthaltes. Es läuft! Da es schon 16:00 Uhr ist, beschließen wir ins Hotel zu fahren, noch etwas zu arbeiten und danach den Tag entspannt ausklingen zu lassen, an dem wir mehr erreicht haben, als wir uns erhofften.

11. Februar

Eine wieder etwas unruhige Nacht ist geschafft, es kommt mir vor wie ein mathematischer Vorzeichenfehler: je mehr Moskitos meiner nächtlichen Jagd zum Opfer fallen, desto mehr schwirren danach durch die Dunkelheit. Wie sich später herausstellen wird, hat sich die Mühe gelohnt und die nächste Nacht verspricht eine geruh- und erholsame zu werden.
Es ist 10:20 Uhr und Karim unser Trommler für Djinakulte kommt uns im Hotel besuchen. Es ist ein sehr herzliches Wiedersehen. Wir haben vor fünf Jahren schon sehr viel Zeit mit ihm verbracht und obwohl die Djinakulte nicht öffentlich sind – viele Hauptstädter haben noch nie was davon gehört – erzählt uns Karim ganz offen alles, was wir wissen wollen, nimmt uns zu den Festen mit und lässt uns natürlich auch trommeln. Durch ihn können wir unseren Terminplan für die nächsten drei Tage komplettieren.

Sonntag, 9:00 Uhr Hochzeit trommeln mit Dra
Montag, 9:00 Uhr Unterricht bei Karim
Montag, 14:00 Uhr Djinafest trommeln mit Karim
Dienstag, 9:00 Uhr Unterricht bei Madu

Wir sind sehr optimistisch, dass sich der Rest der drei Wochen von Termin zu Termin von alleine ergeben wird. Um 11:00 Uhr besucht uns noch Johann, ein Belgier, der in Bamako lebt und Instrumente verkauft.
Da ich immer noch sehr angeschlagen bin, lege ich mich nochmal ein paar Stunden aufs Ohr und wache pünktlich zum 16-Uhr-Kaffee mit Herman wieder auf, genieße diesen mit ihm bei einem wie immer sehr guten Gespräch und arbeite bis zum Abendessen am Laptop.
Heute wollen wir ein anderes „Restaurant“, das uns schon gestern auffiel, ausprobieren. Nicht fern von unserem Hotel steht nämlich direkt an einer vielbefahrenen Straße eine Frau mit einem Kohlegrill und vielen vollen aber verdeckten Essensschalen. Witzigerweise verrät sie uns nicht, was sie anzubieten hat, deckt auch nicht ihre Schüsseln auf, sondern lässt uns alles einzeln erfragen. Also fragen wir sie, ob sie Spaghetti hat: ja, Reis: nein, Fleisch: nein, Fleischspieße aber doch, Zwiebeln und Tomaten: ja. Sehr gut, noch ein bisschen scharf und wir sind beim bisher günstigsten Essen angelangt. Zum Vergleich: im Hotel zahlen wir für ein Essen mindestens 9 Euro, hier nur 60 Cent. Im Hotel müssten wir an einem fein gedeckten Tisch in angenehmer Loungeatmosphäre mit Dinnerjazz als Hintergrundmusik speisen. Hier dürfen wir auf einer kleinen Holzbank, im Halbdunkel, zwei Meter vom rauschenden Verkehr entfernt, inmitten von Einheimischen im Lärm und Staub der Stadt unser Abendessen genießen – viel besser, das ist Bamako, wie wir es lieben!

12. Februar

Ich genieße es sehr, dass man hier im Gegensatz zu Salvador (Brasilien) nicht darauf achten muss, dass man sein Smartphone aus Rücksicht auf Diebe immer versteckt hält. Das macht es deutlich leichter, sich Notizen zu machen und auch Bildmaterial für den Blog zu sammeln. Auch nächtliche Wandungen durch dunkle Gassen stellen für Weiße keine größere Bedrohung dar.
7:30 Uhr der Wecker klingelt. Oje ist das früh! Wie jeden Tag frühstücken wir im Hotelrestaurant und nehmen danach ein Taxi zu Dra. Das Witzige an diesem Taxi ist, dass man die Türen leider nicht mehr von innen öffnen kann und der Taxifahrer ein Kind her zitiert, das uns wieder raus lässt. Wir laufen zu Dras Haus und kommen in einen Innenhof, in dem schon reges Treiben herrscht. Lamin teilt uns mit, dass sie heute auf zwei Hochzeiten gleichzeitig spielen müssen und er deshalb nicht mit uns fahren wird. Dra begleitet die Trommler der ersten Hochzeit, da wohl noch kurz ein paar Dinge bei klären muss. Also sitzen wir in unseren zwei Stühlen und warten. Nach einer Weile kommt ein ca. 10-jähriger Junge weinend mit einer älteren Frau in den Hof gehumpelt setzt sich auf den Boden und hält sich den rechten Fuß. Es erschüttert uns sehr, dass sich keiner um ihn kümmert. Ganz im Gegenteil: einer nach dem anderen schimpft mit ihm und er kauert 20 Minuten einsam weinend am Boden und hält sich seinen Fuß. Es fällt uns sehr schwer das anzuschauen und uns nicht seiner anzunehmen, aber es würde sicher schiefgehen, wenn wir uns in deren Erziehung einmischten.
Nach einer Stunde erlöst uns Dra und wir laufen mit unserer Band zur Straße, um dann ein Taxi zur Hochzeit, die am anderen Ende der Stadt liegt, zu nehmen. Nach 30 Minuten kommen wir an dem mit Zeltplanen überdachten Platz an und warten dort wieder eine Stunde – diesmal allerdings bei einem Gläschen Tee. An der Feier nehmen außer den Trommlern nur Frauen in sehr bunten und oft sehr prachtvollen Kleidern teil. Die Sängerinnen beginnen zu singen und Dra deutet mich zur Djembé. Gut zwei Stunden habe ich das Vergnügen die „Hits von Busch-Werk“ – also Rhythmen, die ich alle sehr gut kenne – zu begleiten. Maracadon, Takké 1-3, Dansa… Dank des intensiven Trainings mit den Busch-Werkern, fällt es mir deutlich leichter als vor fünf Jahren, das hohe Tempo mitzuspielen – ein tolles Gefühl!
Nach der Essenspause, die wir Trommler natürlich abseits der Gesellschaft verbringen, geht die Feier für uns eher etwas träge weiter. Es gibt viele endlose ohrenbetäubende in ein Mikrofon geschriene Reden und immer wieder Sängerinnen, die den Trommlern, bei denen Herman jetzt mitspielt, sehr wenig Platz lassen. nach ca. zwei Stunden beschließen wir, dass wir für heute genug Hochzeit haben und fahren mit dem Taxi zu unserer heißen Dusche… Kaffee… und nach ewiglangem Webseitenoptimieren und Blogschreiben… Bett…
Morgen gibt es dann den ersten Djina-Trancekult!!

13. Februar

Es ist wieder 7:30 Uhr und ich freue mich schon sehr auf den heutigen Tag. Schnell frühstücken und ab mit dem Taxi zu Karim. Ich erinnere mich wieder an die Straße, die nicht asphaltiert ist und eher einer Teststrecke für Marsfahrzeuge als einer Straße für Autos gleicht. Da Karim den Taxifahrer per Telefon instruiert hat, kommen wir genau vor dem Haus seiner Eltern zu stehen. Er erwartet uns bereits und führt uns in den Hof, den er uns stolz präsentiert, weil sie ein Stück vom Nachbargrundstück dazugekauft haben. Es folgt der Anfang der obligatorischen Familienvorstellung: wir werden seiner Mutter vorgestellt, die wir auch vor fünf Jahren hier angetroffen haben. Auf dem Weg zu Karims Haus, das gerade mal 100 Meter entfernt auf einer kleinen Anhöhe liegt, werden wir noch ein paar Freunden, zwei Brüdern und zwei alten Männern, die es sich in im Schatten in ihren Lehnstühlen gemütlich gemacht haben, vorgestellt. Der eine ist Jäger und der andere zudem noch Spezialist für Knochenbrüche. In seinem Hof angekommen treffen wir dann die Schwester des Mannes seiner älteren Schwester, seinen Sohn, seine Tochter und wenn ich es mir richtig gemerkt habe die Schwester der Schwester des Mannes seiner großen Schwester. Ach, und nicht zu vergessen den Trommler Mamady, der uns beim Unterricht begleiten wird. In den nächsten 90 Minuten habe ich sehr viel Spaß und merke, wie anders es ist, wenn man schon Erfahrung mit der Musik gesammelt hat. Ich werde von nun an nicht mehr erwähnen, dass wir den ganzen weiteren Tag immer wieder neuen Freunden, Nachbarn, Verwandten und Bekannten vorgestellt werden, da dies den eh schon sehr gedehnten Rahmen des Blogs letztlich sprengen würde.

Mit einem neuen Groove für Busch-Werk im Gepäck, machen wir uns mit einem Taxi auf den Weg zurück in die Innenstadt zu einer Bank. Manchmal wünschte ich mir in diesen Fahrzeugen etwas von einem Autoflüsterer zu haben, der die Geschichten verstehen kann, die das Klappern, Schlagen, Quietschen, Mahlen und Brummen dieser weitgereisten Maschinen erzählt. Ich nehme jedenfalls deutlich war, dass dem Auto irgendetwas an den Federn fehlt, dass es bei jeder Bodenwelle an allen vier Ecken knallt und bei jedem Schlagloch mit dem Unterboden auf der Straße entlang schleift.

Als Mittagessen nach der Bank verschlingen wir 1kg Bananen und machen uns nach einem kleinen Zwischenstopp im Hotel wieder mit dem Taxi auf den Weg zu Karim. Dieser holt uns mit Mamady und zwei Mopeds an der Straße ab und wir fahren fünf Minuten schmale, steile, steinige Wege bis hoch zum Djinafest. Vom Moped geht es direkt an die Djembé, wobei wir es wieder gut getimet haben und genau den letzten Song vor dem Mittagessen erwischen. Um 15 Uhr geht es dann richtig los und wir trommeln uns fast vier Stunden lang nonstop die Seele aus dem Leib. Es fühlt sich an, als wären wir ein Teil des Festes – nein wir sind es! Wir werden voll integriert und es fühlt sich alles auf eine gewisse Art vertraut an. Ein tolles Erlebnis!

Heute ist übrigens der erste Tag, an dem ich mich nach frischer Luft sehne. In Deutschland würde man Grobstaubalarm (wenn es diesen Begriff gibt) ausrufen und den gesamten Verkehr lahmlegen. Hier ist das leider normal…

(Bilder folgen morgen)

Als kleine Lektüre zu Djinakulten kann ich den Eintrag vom 14. Februar in meinem Blog von 2012 empfehlen. Die Bilder zu dem alten Blog werde ich nach und nach durch das malische Internet quälen.

14. Februar

Heute fahren wir zum Unterricht zu Madu. Vor seinem Haus angekommen, werden uns erstmal zwei Stühle angeboten, denn ein bisschen warten gehört immer dazu. Übrigens sind die Steine des Nachbarn mittlerweile gut durchgetrocknet und der Bau könnte weitergehen, aber auch hier wird es keine Eile geben. Madu und Sedu setzen sich zu uns und Madu spricht von einem Problem: der Besitzer des Hauses, in dem wir trommeln wollten ist krank, aber er hat eine Alternative, die etwas außerhalb liegt. Problem schon gelöst. Wir wollen noch kurz den Preis für den Unterricht klären. Kurze Stille, dann besprechen sich die beiden ca. zwei Minuten lang, um uns dann den gewöhnlichen Preis zu nennen. Schweigen. Es scheint noch ein Problem zu geben. Madu erläutert kompliziert, dass es zwecks der Programmplanung – was hier nicht sehr üblich wäre – noch wissen müsste, wie oft wir denn Unterricht nehmen wollten (in Wirklichkeit geht es vermutlich eher um die Geldplanung). Jetzt beraten wir uns zwei Minuten. Unser hart erarbeiteter Vorschlag, vier bis fünf Stunden, ist für alle ok. Dann wäre ja alles geklärt. Wir fahren an dem aus 2012 schon bekannten Mangohain vorbei – die Müllverbrennung daneben ist verschwunden – und kommen in einem Neubaugebiet auf einer Anhöhe mit vielen Rohbauten an. Ein Hausbau kann sehr viele Jahre dauern. Man fängt hier, um das Grundstück zu markieren, durchaus mal mit einer Reihe Steine an, und sobald man wieder Geld hat, folgt die Zweite… Keiner weiß genau, wo wir hinmüssen, aber das Ziel scheint in der Nähe zu sein. Das erste, was mir auffällt als wir aussteigen ist, dass mein Wunsch nach frischer Luft erhört wurde. Wir gehen in den offenen Eingangsbereich eines großen halbfertigen Gebäudes. Voila, das ist schon der Proberaum! Wir warten wieder und bekommen von einem Jungen von irgendwo her Stühle gebracht es folgt noch ein Tee-Set und Trinkwasser für uns. Auch wenn es hier nicht so aussieht, muss eins der Nachbarhäuser schon bewohnt sein. Es ist für alles gesorgt und dank der vielen Mauern haben wir angenehm kühle 90 Minuten vor uns.

Viel mehr passiert an diesem Tag nicht mehr, außer dieser beispielhaften Geschichte zum Thema „Zeit“. Es trug sich zu, als wir auf der Heimfahrt noch einen Zwischenstopp bei Dra einlegten, um mit ihm ein paar Stunden Unterricht zu verabreden: Wir treten wieder mal genau zur Essenszeit in seinen Hof ein. Man muss wissen, dass Dra nicht der Mann vieler Worte ist. Eine typische Begrüßung wäre: Ça va? Ça va! Et toi? Ça va! Dann noch ein paar Mal etwas weniger zielgerichtet, um eine sofortige Stille zu vermeiden: Ça va bien… Ça va…  Ça va… Dann ist Ruhe. Man setzt sich hin, schweigt und wartet. Herman isst einen kleinen Happen mit, sonst sitzen wir einfach weiter da. Das Essen ist fertig und nach weiteren fünf Minuten fragt Herman Dra, wie es denn mit Unterricht aussähe. „Oui, c’est possible…“ kommt als eine der häufigsten Antworten aus Dras Mund. Wieder Schweigen… Im nächsten Anlauf finden wir in diesem Stil noch einen geeigneten Zeitpunkt und darauf herrscht, wie könnte man es anders erwarten, wieder Stille. Ein junger Mann kocht schweigend Tee. So sitzen wir wieder zehn Minuten einfach nur da, und während die anderen weiter mit Worten geizen, nutzen Heman und ich die Zeit, um ein Gespräch über die unterschiedliche Motivation aus dem Ego oder dem Selbst heraus zu handeln zu beginnen und diese Thematik aus altruistischer und darwinistischer Sicht zu beleuchten. Nach einer Stunde in Dras Hof trinken wir in 10 Sekunden unseren Tee, verabschieden uns kurz und fahren verrichteter Dinge zufrieden ins Hotel. Soviel zum Thema Zeit in Afrika.

15. Februar

Die nächsten Tage werde ich mir eher kurze Episoden herausnehmen und von einer ausführlichen Berichterstattung des Tages absehen, da ich mich sonst stets wiederholen müsste.

Unterricht im Rohbau: Wir kommen mit Madu und Sedu im bekannten Rohbau an und wecken durch unsere Ankunft einen Bauarbeiter, der auf einem Sandberg im Nebenzimmer seinen Mittagsschlaf hält, auf. Er beobachtet uns neugierig, versucht in einem für uns nicht deutbarem vermutlichen Französisch ein Gespräch zu beginnen, das im Nu wieder beendet ist. Er wird fortan die gesamten 90 Minuten einen halben Meter neben mir stehen und den Unterricht beobachten. Es gibt zwei kleine Pausen, in denen er jeweils zehn Sekunden lang halb gemurmelt ein Lied singt und umgehend wieder verstummt.

Wir hoffen, dass wir Madu oder Sedu noch ein paar Informationen zum Komokult entlocken können, aber jeder Versuch schlägt fehl. Da Komo ein Geheimkult ist, sind die Eingeweihten nicht gewillt jemandem etwas über den Kult preiszugeben. Auf unsere Fragen gibt es drei Reaktionsmuster:

1. Madu beginnt zu antworten, Sedu bestätigt das Gegenteil, Madu unterstreicht Sedus Version als richtig. Tja.

2. Beide drucksen rum, besprechen sich dann zwei Minuten auf Bamana. Antwort: „C’est compliqué.“

3. Wir konfrontieren sie mit einem Sachverhalt den Herman aus der Literatur kennt oder zeigen ihnen sogar Bilder, aber sie wissen nicht, dass es so etwas geben soll und sagen, dass es überall sehr unterschiedlich sei „C’est très different.“

Einen Versuch war es wert!

16. Februar

Erste Stunde bei Dra. Wir vermuten, dass wir wieder in dem schönen Mangohain proben und folgen Dra fünf Minuten zu Fuß, steigen mit ihm und seinem Gehilfen in ein Taxi und fahren… am Mangohain vorbei. Ok, er schein etwas Neues gefunden zu haben. Wir sind gespannt, fahren statt rechts zu den Rohbauten links in ein Wohngebiet, weiter und weiter. Irgendwann scheinen wir da zu sein, steigen aus und beginnen unsere Wanderung zwischen den Häusern den Hügel hinauf. Unser Ziel ist tatsächlich ein Mangobaum, der allerdings am lokalen Steinbruch mit Plastiktüten garniert an einer Schräge liegt. Der Ausblick ist aber ganz schön. Wir können von hier aus auf die Rohbauten auf der anderen Talseite blicken. Von einem Anwohner bekommen wir ein paar Stühle gebracht. Er wird im späteren Verlauf gelegentlich den Unterricht unterbrechen, indem er uns während des Spielens einfach ein Glas Tee in die Hand drückt. Ich habe die Auswahl zwischen einem mit drei Beinen und einem, der in der Mitte leider keine Schnüre mehr hat – diesen nehme ich und sitze die nächsten 90 Minuten auf dem harten Gestänge. Der Unterricht mit Dra gefällt mir. Obwohl wir fast nur schon bekannte Dundunfiguren von Takké machen, ist das Interessante das, was er spielt, wenn er nach der nächsten Figur sucht, die er uns zeigen will. Die Trommler sind es nicht gewohnt in getrennten Figuren zu denken, sondern sie bewegen sich sehr organisch in ihren Rhythmen und trennen ihre Phrasen nicht unbedingt voneinander ab. Wir haben alles per Video festgehalten und freuen uns schon auf die Auswertung. Am Schluss passiert etwas Witziges. Dra nennt uns einen Unterrichtspreis, der uns zu niedrig ist, handelt sich durch ein Missverständnis nochmal 20% runter, sodass wir beschließen ihm das Doppelte zu geben, damit es gerecht ist. Sowohl Herman als auch Dra sind sichtlich irritiert, denn das haben beide noch nie erlebt, da man zwar immer etwas handelt, aber nie nach oben.

17. Februar

Heute bekam ich zwei Videos von einem Freund von Karims Sohn, die er beim letzten Djinafest aufgenommen hat. Zunächst erstmal die Kurzversion:

Hier die lange Version mit Höhepunkt bei 4:00. Da danach noch ein Schwenk drauf ist, bei dem man das ganze Fest und eine Frau in Trance sieht, habe ich das Video nicht beschnitten. Der Filmer war definitiv trommelbegeistert. (Der Upload kann noch etwas dauern 😉

18. Februar

Unser zweites Djinafest beginnt schon vormittags und ist deutlich größer als das erste. Ungefähr 200 Leute haben sich unter zwei aneinandergestellten Zeltdächern versammelt. Bevor wir uns aber zu den Trommlern gesellen, führ uns Karim in den Hof des Djinachefs (Djinatiki) und wir werden vielen wichtigen alten Djinatikis, die wir demütig begrüßen, vorgestellt. Mitten im Hof liegt auch noch der Kopf der Ziege, die den Djinas auf einem Stein vor dem Haus des Chefs geopfert wurde. Es ist nicht leicht, für uns zu erkennen, wen man wie begrüßen muss. Vermutlich haben wir manchmal eine Person mit einer Nebenrolle zu viel und auch mal eine mit einer Hauptrolle zu wenig begrüßt, aber größere Patzer in der afrikanischen Etikette können wir dank Karims Fürsorge meist noch irgendwie ausbügeln. Wir Musiker sitzen direkt vor einem riesigen Boxenturm, aus dem mit wirklich ohrenbetäubender Lautstärke die übersteuerten Schallwellen der Sänger und des Gitarristen an uns zerschellen. Der Vorteil an einem dermaßen überlasteten Soundsystem ist, dass die ständigen Rückkopplungen auch nicht mehr lauter als der Rest sein können. Neben dem Sänger, den vier Sängerinnen, dem E-Gitarristen, den vier Tamaspielern, den zwei Kalebassenspielerinnen und dem Balafonisten, sind wir insgesamt sieben Trommler, von denen immer fünf gleichzeitig spielen.
Das Fest heute ist unglaubliches Spektakel, da sich ein Djina nach dem anderen manifestiert. Wenn jemand beim Djinafest in Trance geht, haben sie hier die Vorstellung, dass ein Djina, also eine Art Geist, der auf der Erde lebt und sowohl Kontakt zu den Menschen als auch den Engeln hat, von dem Körper der Person Besitz ergreift und durch die Person spricht und handelt. Manche Djinas prusten Luft und Speichel aus dem Mund, hieven kleine Kinder durch die Luft, schlagen Purzlebäume oder können sich benommen torkelnd kaum auf den Beinen halten. Ein Djina schlägt so impulsiv um sich, dass er von mehreren Leuten gebändigt werden muss, und direkt in das Haus des Djinatikis gebracht wird, wo sich ein Djinatiki sich seiner annimmt. Andere Djine beten, einer gibt uns „heiligen Sand“. Ein Djina scheint nicht willkommen zu sein und wird von der Kultleiterin, die generell eine sehr schroffe Art hatte, mit einem Schwall von wütenden Wörtern beschimpft. In solchen Situationen, oder wenn eine Sängerin mal wieder endlose Verse über was auch immer verliert, wünschte ich mir, wenigstens ansatzweise Bamana verstehen zu können.
Während ich trommle steht die ganze Zeit ein kleiner Jung wie mein persönlicher Betreuer neben mir und zeigt mir bei jedem Rhythmus in Windeseile, was ich zu spielen habe. Einmal wischt er mir sogar einen Tropfen, der von dem Getränk einer Frau vor mir stammte, von meiner Hose. Es gibt eigentlich immer ein oder zwei Kinder, die sich in unserer Nähe aufhalten, und ein paar andere, dir es mit Abstand um dieses Privileg bewundern.
Die Kultleiterin bricht wild gestikulierend die Musik ab und wir werden Zeuge eines Eklats. Sie beschimpft fast fünf Minuten lang die gesamte Band, weil sie anscheinend zu wild spielen und das dem Kult nicht dienlich sei. Die Musiker schauen ganz typisch alle irgendwo hin, als wären sie nicht gemeint, aber keiner wehrt sich gegen ihre Autorität. Sie müssen bis auf den Balafonspieler und den Gitarristen der Frau in den Hof folgen und dort ganz friedlich und leise spielen. Bis die Band nach zehn Minuten ziemlich geknickt wieder zum Kultplatz zurück kommt und von dort an etwas zurückhaltender weiterspielt, scheint jemand den Sänger zu interviewen, ohne dass dieser aber nur eine Antwort gibt. Das Fest nimmt weiter seinen Lauf und wir erleben noch einige spektakuläre Manifestationen, bis uns um 18:00 Uhr nur noch der Nachhall der unglaublichen Lautstärke in unseren Ohren erhalten bleibt.

19. Februar

Heute gibt es ein paar Bilder von der Hochzeit. Das Brautpaar war übrigens wie üblich nur ca. fünf Minuten da.

20. Februar

Nachdem wir gestern wieder mal auf einer Hochzeit waren, haben wir heute etwas ganz Besonderes vor und machen uns mit Karim und einem Kellner aus dem Hotel, der bamana und englisch spricht, auf den Weg zu dem Ort des ersten Djinafestes, um die dortige Djinatiki und ihren Mann, einen Orakelpriester, zu interviewen. Vor seinem Haus warten schon einige kranke Klienten, die um seine Hilfe ersuchen wollen. Es ist uns etwas unangenehm, dass wir einfach an der Schlange vorbei in seine Hütte eintreten dürfen, um dann auch noch ein einstündiges Gespräch mit den beiden zu führen. Aber es wird uns nicht ernsthaft übelgenommen, da es sich hier ja um Profis in Sachen Warten handelt. Es ist sehr spannend, mit einem ca. 80 Jahre alten Priester in seiner halbdunklen Hütte zu sitzen und seine Orakelschriften und die dazugehörigen Utensilien sehen zu dürfen. Es ist nicht einfach mit einem Interview über einen Dolmetscher, der weder unsere noch die Djinakultur kennt an gehaltvolle Informationen zu gelangen, da wir manchmal auch gerne zwischen den Zeilen lesen würden. Glücklicherweise hilft unser Freund Karim gelegentlich etwas nach, wenn auf eine einminütige Frage nur ein kurzes „ja“ als Antwort aus den beiden herauszubekommen ist. Man bräuchte einfach viel mehr Zeit mit den Menschen, um eingehenderes Wissen über die Kulte zu erhalten, da man sich das Wissen hier nicht aktiv holt, sondern einem eine Information dann zugetragen wird, wenn jemand denkt, dass die Zeit dafür reif ist. Von unserer westlichen Eile lässt sich hier schon mal gar keiner beeindrucken. Letztendlich sind wir mit dem Ergebnis aber sehr zufrieden und freuen uns auf alles, was wir noch über die Kulte erfahren werden.

21. Februar

Da unser Flug von der Fluggesellschaft von Montag auf Samstag vorverlegt wurde, nähern wir uns schon mit großen Schritten dem Ende unserer Reise. Heute und morgen haben wir nochmal Unterricht bei Karim und auch bei Madu. und da es darüber nur wenig zu berichten gibt, greife an dieser Stelle zwei kleine Ereignisse auf, die schon ein paar Tage im Notfallkoffer für solch einen Fall schlummern.

Panisches Kind
Man sieht ja auf vielen Bildern immer wieder die Kinder, die uns fasziniert zuschauen, sich an uns schmiegen und unsere Nähe suchen, aber das ist nicht immer so! Es gibt es immer wieder, dass sie sich nur auf ca. zehn Meter an uns ran wagen, und wenn ein Freund versucht sie zu uns zu bewegen, schnell wegrennen. Einmal haben wir sogar erlebt, dass ein vielleicht zweijähriger Junge so von unserem Anblick geschockt war, dass er panisch anfing zu schreien und von niemandem zu beruhigen war, solange er uns selbst aus großer Entfernung noch sehen konnte. Sind wir zwei bärtige Weiße denn so Angst einflößend?

Taxistopp
Den Zustand unserer Taxis habe ich ja mittlerweile ausgiebig und anschaulich dokumentiert, allerdings gab es außer dem Fahrzeug, das bei jeder Bodenwelle mit dem Heck aufsetzte auch ein weiteres, das es zu erwähnen lohnt, da es mitten in der Stadt seinen Geist aufgab, der Fahrer ganz selbstverständlich seine Tür öffnete, mit einem Schraubenzieher im Bereich seines Fußraums herumfuhrwerkte, um das Taxi wieder fahrtüchtig zu machen. Das gelang ihm nach kurzer Zeit auch und wir konnten unsere Fahrt fortsetzen – den Schraubenzieher ließ er allerdings in den Tiefen des Fußraums stecken, da dieser dort wohl noch eine Funktion hatte.

Und nun noch ein paar Bilder…

22. Februar

23. Februar

Für heute hatten wir ja vor einer Woche auf dem Markt elf Kalebassen bestellt, und die gilt es jetzt abzuholen. Die Verkäuferin kann gerade nicht zu ihrem Stand, weil ihre frisch mit Henna bemalten Füße in Plastiktüten verpackt hat und sie einer anderen Kundin der Fußbemalerin Gesellschaft leisten muss. Sie gibt uns zu verstehen, dass die Kalebassen nicht da sind aber morgen sicher kämen. Da wir sie aber heute brauchen, schreiben wir die anderen neun ab und wollen wenigstens die zwei, die sie uns letzte Woche schon gezeigt hat. Sie schickt jemanden weg, um sie zu holen, und wir warten zwischen Hennafrau, Schuster und Abwasserkanal auf einer kleinen Bank. Nach zehn Minuten kommt der Geschickte mit einer Kalebasse, aber es waren doch zwei!? Ok, wieder warten. Währenddessen werden wir Zeuge wie ein Mann von dem Steg über den Abwasserkanal abrutscht und mit einem Schuh in den schwarzen, bakterienverseuchten, öligen Morast tritt. Alle lachen – außer ihm. Zehn Minuten später kommt nun auch die zweite Kalebasse. Die Frau sagt uns wieder, dass morgen die anderen kämen und wir sagen, dass wir morgen aber abreisen und nicht mehr auf den Markt können. Wir verabschieden uns und gehen… nicht! Es kommt ein Typ, der uns auch wieder auf morgen vertrösten will, dann aber behauptet, dass er uns auch sofort noch mehr Kalebassen liefern kann. Wir also wieder zurück auf unsere Bank beim Schuhrecycler. Weitere 20 Minuten später kommt er wieder zurück und sagt: „morgen“ – das war es auf dem Markt. Wir schnappen unsere beiden Kürbisse und bringen sie zu Johann, der sie mit den Fellen, die Herman schon bei ihm gekauft hat, nach Deutschland verschifft. So läuft es manchmal in Afrika…

24. Februar

An unserem letzten Tag in Bamako, hatten wir den Morgen Zeit, alles für die Rückreise vorzubereiten und fahren jetzt um 14:00 Uhr mit Karim und zwei ca. 11-jährigen Trommlern zu einem Djinafest in einen Vorort von Bamako. Vorher machen wir aber noch einen kleinen Abstecher zu einem ganz besonderen Ort. Dort, wo die modernste und höchste Brücke Bamakos über den Niger führt, verläuft vielleicht zwanzig Meter tiefer gelegen der älteste Überweg durch das in der Trockenzeit fast gänzlich leere Flussbett. Kurz bevor wir eine kleine Brücke über den schmalen wasserführenden Teil des Nigers erreichen, hält unser Taxi an und wir laufen die letzten Meter. Karim hat uns zu einem der wichtigsten Orte für die Anhänger der Djinakultur geführt. Es ist eine Art heiliger Ort, an dem viele Djinas leben sollen, überall sieht man die Überreste von Opfergaben: Kolanüsse, Eier, verbrannte Kräuter oder auch Tierblut. Am Fluss selbst beobachte ich zwei Männer, die gerade ein Milchopfer vorbereiten, während Karim Herman erklärt was die Menschen hier alles tun. Dazu stimmen die zwei Jungtrommler, mit Dundun und Djembé bestückt, den Djinas zu Ehren ein paar Djinagrooves an. Man spürt, wie wichtig dieser alte Ort den Menschen ist und welch besondere Energie er inne hat. Nach einer Weile klettern wir wieder hoch auf die Straße und treffen einen Freund von Karim, der seines Zeichens Sänger und Flötist ist. Er steigt mit einem Gehilfen, der zwei Hühner mit sich trägt, hinab zum Wasser und beginnt wundervoll zu singen und Flöte zu spielen. Ich hab in dem kurzen Video die Szene festgehalten, wie gleichzeitig im Hintergrund ein anderer Mann eine Kuh mit der Machete zerteilt, während ein anderer die Innereien des geopferten Tieres wäscht. Das muss für den außenstehenden Beobachter ein skurriles Bild sein, aber für uns fühlt es sich schon ganz normal an…
Nach diesem eindrücklichen Erlebnis, fahren wir in ein abgelegenes Wohnviertel, das nur aus Rohbauten zu bestehen scheint, zu unserem dritten und für diese Reise letzten Djinafest. Wie sich herausstellt ist es auch unser kleinste Fest mit anfangs nur knapp 30 Leuten. Wir bekommen zur Begrüßung das beste Essen, dass wir in den drei Wochen hatten, und fühlen uns wie in einer Familie auf- und angenommen. Als die Trommler, also Karim, die Jungs und wir zu spielen beginnen, genießen wir es sehr, dass hier das Geld für eine Verstärkeranlage gefehlt hat. Stattdessen hören wir den ganz natürlichen, nicht verzerrten, wunderschönen Gesang einer netten Sängerin. Alle hier haben eine sehr freundliche und positive Ausstrahlung, niemand hält hitzige Reden, die mich an die tumultartigen Szenen im britischen Unterhaus erinnern. Nach und nach gesellen sich noch zehn weitere Frauen und 30 Kinder zu der Runde, und wir erleben eines der schönsten Feste unserer beiden gemeinsamen Reisen. Es passieren so viele interessante Dinge, nicht zuletzt wird auch ein Hahn zu Ehren eines Djinas geopfert. Als sich das Fest langsam dem Ende neigt bekommen wir von dem höchsten Djina Boredjan, der „durch die Kultleiterin“ zu uns spricht so etwas wie einen Segen. Der Djina teilt uns vor allen Anwesenden mit, dass er froh sei, dass wir hier sind, uns ernsthaft für die Djinakultur interessieren und dass es gut sei wer und wie wir sind – ich kann mir keinen besseren Abschluss unserer Reise vorstellen, denn es ist nicht selbstverständlich als Außenstehender so herzlich aufgenommen und akzeptiert zu werden. Wenig später verabschieden wir uns dankbar von allen und treten zufrieden und etwas wehmütig unsere Rückfahrt durch die bereits angebrochene Nacht an, um wenig später den Kontinent wieder Richtung Heimat zu verlassen.

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